Geocaching-Touren in der Natur planen: warum die meisten Listen schon nach dem dritten Cache zerbrechen
Es ist Samstagmorgen, halb acht, und ich stehe auf einem Waldparkplatz im Nordschwarzwald. Auf dem Handy habe ich eine Liste mit 14 Caches, sauber nach Entfernung sortiert. Um 14:30 sitze ich im Auto zurück, habe vier gefunden, zwei nicht gefunden und einen abgebrochen, weil ich auf einem Weg stand, der laut Karte existiert und in der Realität ein zugewachsener Hang ist. Die Liste war nicht das Problem. Die Planung war es.
Geocaching-Touren in der Natur planen heißt nämlich nicht, Punkte auf einer Karte zu verbinden. Es heißt, Gelände, Tageszeit, Wetter, Regeln und die eigene Kondition so zu kombinieren, dass am Ende eine Runde entsteht, die man auch zu Ende geht. Wer das einmal falsch gemacht hat, plant danach anders.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Umwegquote ist der wichtigste Wert einer Tour – nicht die Luftlinie zwischen den Caches.
- Terrain- und Difficulty-Wertung sind Planungsdaten, keine Deko. Ein T4,5 verdoppelt die Zeit pro Fund.
- Jahreszeit und Wetterlage entscheiden mehr über den Tourenerfolg als die Anzahl der Caches.
- Schutzgebiete, Privatgrund und Sperrzeiten gehören vor die Tour, nicht in die Diskussion danach.
- Vier bis sieben Caches pro halbem Tag sind realistisch. Zwanzig sind eine Wanderung mit Nebenwirkungen.
Die Umwegquote: das Maß, das wirklich zählt
Zwölf Caches auf einer Linie von acht Kilometern klingt nach einem entspannten Nachmittag. Ist es nicht. Zwischen den Dosen liegen nicht acht Kilometer, sondern je nach Wegenetz das Doppelte oder Dreifache.
Ich rechne inzwischen mit einer Faustregel, die bei mir über viele Touren erstaunlich stabil geblieben ist: Faktor 1,8 bis 2,4 zwischen Luftlinie und tatsächlicher Wegstrecke. In Mittelgebirgen mit Serpentinen liegt man eher bei 2,2, im flachen Heideland bei 1,6. Warum das so ist? Weil Wege selten dorthin führen, wo eine Dose liegt. Caches sitzen an Aussichtspunkten, an Bachläufen, an Felsnasen. Die Wege führen drumherum.
Wie Sie die Umwegquote schätzen, ohne einen Router zu bemühen
Sie brauchen dafür keine Software, nur zwei Blicke:
- Liegen die Caches auf einer Linie mit dem Wegenetz oder quer dazu?
- Gibt es zwischen zwei Dosen einen Höhenrücken, den kein markierter Weg quert?
- Wie viele Caches liegen jenseits eines Gewässers, das nur an einer Stelle überquert werden kann?
Wenn zwei dieser Punkte zutreffen, nehmen Sie den oberen Rand Ihrer Schätzung. Nicht den Mittelwert. Der Mittelwert lügt.
Boucle oder hin und zurück?
Eine Runde klingt verlockend, weil sie angeblich nichts doppelt. In der Praxis habe ich die schönsten Touren auf Hin-und-Zurück-Strecken erlebt, weil ich auf dem Rückweg Dinge gesehen habe, die ich auf dem Hinweg übersehen hatte. Der Nachteil ist offensichtlich: dieselben Kilometer zweimal.
Was ich heute mache: Hinweg über die Caches, Rückweg über einen anderen Talzugang, auch wenn das keinen einzigen zusätzlichen Fund bringt. Ein anderer Weg ist ein anderer Weg. Das ist mir mittlerweile mehr wert als ein Cache mehr.
Terrain und Difficulty: planen mit Zahlen statt mit Gefühl
Die T- und D-Wertung ist das am meisten unterschätzte Planungsinstrument im Geocaching. T steht für Terrain, also das Gelände, D für Difficulty, also die Schwierigkeit des Findens. Klingt akademisch. Ist es nicht.
Ein Beispiel aus meiner eigenen Statistik: Bei Caches mit T1,5 bis T2 brauche ich im Schnitt neun bis zwölf Minuten vom Verlassen des Weges bis zum Log. Bei T4 liegt der Schnitt bei 35 Minuten – und das nur, wenn ich nicht suchen muss. Kommt eine D3,5 dazu, sind 50 Minuten realistisch. Rechnen Sie das für zehn Caches einmal durch.
Was die Werte konkret bedeuten
| Wert | Gelände bzw. Schwierigkeit | Zeitaufwand pro Fund | Material |
|---|---|---|---|
| T1–T2 | Befestigter Weg, keine Steigung | 5–12 Minuten | Nichts Besonderes |
| T2,5–T3 | Waldwege, Wurzeln, leichte Steigung | 15–25 Minuten | Feste Schuhe, etwas Wasser |
| T3,5–T4 | Weglos, steil, kraxeln, Klettern nötig | 30–50 Minuten | Stöcke, Handschuhe, Lampe |
| T4,5–T5 | Ausgesetztes Gelände, Seil, Wasser | 60 Minuten bis mehrere Stunden | Spezialausrüstung, Partner |
Was in der Tabelle fehlt: die Rückwegzeit. Bei T4 kostet der Abstieg fast so viel wie der Aufstieg, manchmal mehr, weil die Konzentration nachlässt. Wenn Sie den Rückweg nicht mitplanen, planen Sie nicht.
Barrierefreiheit und Geocaching
Nicht jede Tour muss auf den Berg führen. Es gibt reichlich Caches mit T1 oder T1,5, die auf asphaltierten Wegen erreichbar sind, teils mit rollstuhlgeeigneter Zufahrt. Die Wertung sagt es Ihnen, wenn Sie hinschauen. Was sie nicht sagt: ob zwischen Parkplatz und Weg eine Bordsteinkante liegt oder ob der Waldboden nach Regen aufgeweicht ist. Diese Details stehen in den Logs der Vorfinder – und die sind, ehrlich gesagt, die verlässlichste Quelle, die es gibt.
Ich lese vor jeder Tour mindestens die letzten fünf Logs. Klingt nach Aufwand. Sind zwei Minuten.
Wetter, Jahreszeit und die Frage, die niemand plant
Der häufigste Fehler, den ich auf Touren sehe, ist nicht die zu lange Liste. Es ist die falsche Uhrzeit. Geocaching im Hochsommer um 13 Uhr bedeutet auf einem Südhang ohne Baumbestand schnell 38 Grad im Schatten, wenn es überhaupt Schatten gibt. Vor zwei Jahren habe ich eine Tour mit sechs Caches nach dem vierten abgebrochen, weil ich nur noch nach dem nächsten Baum geschaut habe statt nach der Dose. Der Fund hat mir nichts mehr gegeben.
Die Tour nach der Jahreszeit verschieben
- Frühjahr: Beste Zeit für alles. Wege trocknen ab, Mücken sind noch nicht da, die Vegetation ist niedrig. Nachteil: viele Waldwege sind nach dem Winter aufgeweicht.
- Sommer: Früh losfahren oder spät. Zwischen 11 und 16 Uhr nur schattige Nordhänge oder Höhenlagen. Wer im Sommer eine T4-Tour um die Mittagszeit plant, plant eine schlechte Tour.
- Herbst: Meine Lieblingszeit. Wenig Publikum, klare Sicht, trockene Wege. Aber: Laub verdeckt Wurzeln und Wegränder, und die Dämmerung kommt früher, als man denkt.
- Winter: Schnee macht aus jedem T2 ein T3. Die Dose unter der Wurzel ist dann unter 40 Zentimetern Weiß. Bei Frost ist der Boden hart, aber die Suche dauert länger, weil sich nichts bewegen lässt.
Was viele unterschätzen: die Tageslichtreserve. Ich plane Touren im Herbst und Winter immer so, dass ich eine Stunde vor Sonnenuntergang am Auto bin, nicht bei Sonnenuntergang. Eine Lampe im Rucksack ändert nichts daran, dass Sie im Dunkeln auf einem wurzeligen Waldweg deutlich langsamer werden.
Regen und der Entscheidungspunkt
Regen selbst ist selten das Problem. Nasses Gestein und aufgeweichter Lehm sind es. Bei T3 und höher würde ich bei Dauerregen umplanen – nicht abbrechen, aber auf eine Talroute mit T1,5 bis T2 ausweichen. Diese Alternativliste habe ich immer dabei. Eine Reservetour im Kopf rettet mehr Nachmittage als jede Ausrüstungsinvestition.
Regeln, Privatgrund und Schutzgebiete
Hier wird es unromantisch, aber genau hier scheitern Touren. Nicht durch schlechtes Wetter, sondern durch einen Zaun, den es laut Karte nicht geben dürfte.
Die Grundregel, die jeder Owner akzeptiert, wenn er eine Dose legt, lässt sich so zusammenfassen: Der Cache muss mit öffentlich zugänglichem Gelände auskommen. In der Praxis heißt das für Sie als Suchender: Sie betreten niemals Privatgrund ohne Erlaubnis, auch nicht „nur kurz". Ein Cache, der auf einer Wiese hinter einem Weidezaun liegt, ist entweder falsch platziert oder Sie haben die Zufahrt nicht gefunden. In beiden Fällen ist die Konsequenz dieselbe: nicht durch den Zaun steigen.
Was in Schutzgebieten gilt
In Naturschutzgebieten, Nationalparks und Natura-2000-Flächen gelten die Regeln der Schutzgebietsverordnung – und die können Wegegebote enthalten, also die Pflicht, markierte Wege nicht zu verlassen. Das ist der Punkt, an dem Geocaching und Naturschutz in Konflikt geraten können, und es ist der Punkt, an dem die Dose verliert. Wegegebot heißt Wegegebot. Punkt.
Praktisch:
- Prüfen Sie vorher, ob die Fläche ein Schutzgebiet ist. Steht meist auf der Infotafel am Parkplatz, oft auch in der Cache-Beschreibung.
- Bei Wegegebot suchen Sie nur, was vom Weg aus erreichbar ist.
- Nichts umgraben. Keine Steine umdrehen, die als Habitat dienen. Keine Totholzhaufen durchwühlen.
- Tarnung nach dem Log wieder so herstellen, wie Sie sie vorgefunden haben. Nicht besser, nicht schlechter.
Ich habe einmal miterlebt, wie eine ganze Serie archiviert wurde, weil mehrere Suchende über eine eingezäunte Weide abgekürzt hatten. Der Owner hat die Dosen selbst eingesammelt. Das ist die Realität hinter der Regel.
Welche Ausrüstung wirklich mitkommt
Auf kurzen Touren bis T2 reicht das Handy mit vorab geladenen Karten. Ab T3 wird es ernst, und ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein zweites Gerät oder wenigstens eine externe Stromquelle mehr wert ist als jede App-Funktion. Der Akku hält bei durchgehendem GPS-Empfang deutlich kürzer, als man erwartet.
Was bei mir immer im Rucksack liegt:
- Stirnlampe, auch bei einer Nachmittagstour
- Wasser für mindestens vier Stunden, im Sommer mehr
- Handschuhe, weil unter Steinen und in Felsspalten selten etwas Angenehmes wartet
- Ein Stift. Klingt banal. Fehlt er, ist der ganze Weg umsonst
- Karten offline gespeichert, nicht nur gestreamt
Was ich nicht mehr mitnehme: große Ausrüstungslisten aus Foren. Die Hälfte davon braucht man auf einer normalen Tagestour nicht, und jedes Gramm zählt am letzten Anstieg.
Die Liste, die funktioniert
Wie sieht nun eine Tour aus, die hält? Bei mir so: drei bis fünf Caches für einen halben Tag, in einem Radius, den ich in 90 Minuten erreiche, mit einer Gesamtwegstrecke um die acht Kilometer und einer Umwegquote, die ich vorher grob geschätzt habe. Dazu ein Alternativziel für Regen und ein klarer Abbruchpunkt.
Das klingt nach wenig. Es ist mehr als genug. Die Touren, an die ich mich erinnere, waren nie die mit den meisten Funden. Es waren die, bei denen ich am Ende noch Lust auf den letzten Kilometer hatte – und das ist die einzige Kennzahl, die am Samstagabend wirklich zählt.
Vielleicht ist die eigentliche Frage beim Planen also nicht, wie viele Caches auf die Karte passen. Sondern wie viel Weg Sie an diesem Tag wirklich gehen wollen, ohne dass aus einer Runde eine Abarbeitung wird.